
Marketing oder Customer Experience: Wer ist für den NPS zuständig?
Marketing und Customer Experience verfolgen unterschiedliche Ziele. Marketing verspricht, Customer Experience liefert. Für den NPS braucht es beides, aber keine Verwechslung der Rollen.
Warum ist der NPS ohne Kontext wertlos?
Ein NPS-Wert allein sagt nichts. Erst wenn du weißt, welche Prozesse und Verhaltensweisen dahinterstecken, wird er steuerbar.
In der Praxis passiert es immer wieder: Ein Unternehmen möchte seinen Net Promoter Score erhöhen, misst regelmäßig, und trotzdem verändert sich nichts. Der Grund dafür ist fast immer derselbe. Der Wert allein sagt nichts. Der NPS ist kein Ziel, er ist ein Signal. Er zeigt, wo das Unternehmen heute in den Augen seiner Kunden steht. Was dahinterliegt, also welche Berührungspunkte auf der Kundenreise funktionieren und welche im Backoffice einfach nicht funktionieren, das muss erst sichtbar gemacht werden, bevor irgendjemand anfangen kann, an der richtigen Stelle zu ziehen.
Der erste Schritt ist die Nullmessung. Nicht um eine Zahl zu haben, sondern um zu verstehen, was diese Zahl bedeutet. Wer überspringt, wer sofort einen Verantwortlichen benennt und sagt 'der soll den NPS nach oben bringen', ohne vorher zu wissen, warum der Wert ist wie er ist, der steuert blind.
Was ist der Unterschied zwischen Marketing und Customer Experience?
Marketing setzt die Marke in die Welt und verspricht etwas. Customer Experience sorgt dafür, dass dieses Versprechen beim Kunden auch wirklich ankommt.
Das lässt sich eigentlich ganz einfach erklären, und trotzdem wird es in vielen Betrieben ständig durcheinandergebracht. Marketing setzt letztendlich die Marke, die ihr habt, in der Welt und verspricht dem Kunden etwas. Es kommuniziert nach außen, weckt Erwartungen, positioniert das Unternehmen. Das ist wichtig und hat seinen Platz.
Customer Experience, oder auf Deutsch Kundenerlebnis, macht etwas anderes. Kundenerlebnis sorgt dafür, dass alles, was ihr im Marketing sagt, auch beim Kunden ankommt. Es stellt sicher, dass das, was ihr versprecht, auch tatsächlich umgesetzt wird. An jedem einzelnen Berührungspunkt auf der Kundenreise. Im Vertriebsgespräch, in der Auftragsbestätigung, in der Lieferung, in der Reklamation.
Die zentrale Frage lautet daher: Du sagst, was du tust, aber tust du auch, was du sagst? Genau diese Lücke zwischen Versprechen und Erleben ist der Ort, an dem Kundenloyalität entweder entsteht oder zerstört wird.
Warum gehört der NPS nicht ins Marketing?
Den NPS ins Marketing zu legen ist ein struktureller Fehler. Marketing misst Reichweite und Wahrnehmung, nicht ob operative Versprechen eingehalten werden.
In vielen Betrieben ist die erste Reaktion auf die Frage 'Wer soll für den NPS verantwortlich sein?' bezeichnend: jemand aus dem Marketing, weil der weiß, was der Kunde braucht. Diese Annahme steckt tief drin, und sie kostet Geld.
Marketing weiß, was der Kunde sich erhofft, was er hört, was er sieht. Aber Marketing sitzt nicht dort, wo der Kunde auf operative Realität trifft, also in den Prozessen, an den Berührungspunkten, wo Absprachen eingehalten oder gebrochen werden. Das sind operative Realitäten entlang der Kundenreise, und die fallen in den Bereich Customer Experience.
Kunden-Erlebnis setzt deshalb konsequent auf einen internen CX-Verantwortlichen, der genau an dieser Schnittstelle sitzt: nicht im Marketing, sondern quer durch alle Abteilungen, nah an den Prozessen und nah an den Kunden.
Was braucht ein Unternehmen wirklich, um den NPS zu erhöhen?
Um den NPS dauerhaft zu steigern, braucht ein Unternehmen eine strukturierte Methode, ein dediziertes internes Team und die Bereitschaft, Prozesse aus Kundenperspektive zu überprüfen.
Den NPS zu erhöhen bedeutet, die Kundenloyalität zu erhöhen. Das klingt selbstverständlich, wird aber selten konsequent zu Ende gedacht. Denn Kundenloyalität entsteht nicht durch bessere Werbung. Sie entsteht, wenn die Prozesse im Hintergrund stimmen, wenn Absprachen eingehalten werden, wenn ein Kunde, der ein Problem hat, schnell und kompetent eine Antwort bekommt.
Der Ausgangspunkt ist immer die Nullmessung, die sichtbar macht, wo das Unternehmen heute steht. Danach folgt die Arbeit an den Prozessen: anpassen, Teams trainieren, Verhaltensweisen gezielt entwickeln. Und am Ende steht die Verankerung, damit das System selbstständig weiterläuft, auch wenn externer Unterstützung wegfällt.
Schau dir deine Prozesse mal an. Die Antwort darauf, warum dein NPS ist, wie er ist, liegt fast immer dort, wo der Kunde auf operationale Realität trifft, und nicht dort, wo deine Marke kommuniziert.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Marketing und Customer Experience?
Marketing kommuniziert nach außen und setzt Erwartungen. Customer Experience stellt sicher, dass diese Erwartungen an jedem Berührungspunkt der Kundenreise auch eingelöst werden. Marketing verspricht, Customer Experience liefert. Wer beides verwechselt, zahlt den Preis in sinkender Kundenloyalität.
Warum reicht es nicht, den NPS ins Marketing zu legen?
Der NPS misst, wie Kunden das tatsächliche Erleben mit einem Unternehmen bewerten, nicht wie gut die Marke kommuniziert. Das tatsächliche Erleben entsteht in Prozessen, im Innendienst, in der Lieferung, in der Reklamation. Das sind keine Marketingaufgaben, sondern operative Customer Experience.
Was ist ein Borger im Kontext von Customer Experience?
Der Borger ist ein interner CX-Verantwortlicher, der nach einem Transformationsprojekt die Verantwortung für Kundenloyalität im Unternehmen übernimmt. Er sorgt dafür, dass Verbesserungen nicht einmalige Maßnahmen bleiben, sondern strukturell verankert werden, quer durch alle Abteilungen.
Wie lange dauert es, den NPS messbar zu verbessern?
Die Dauer hängt von der Ausgangslage und der Bereitschaft des Unternehmens ab, Prozesse wirklich zu verändern. In der Praxis zeigen sich erste messbare Verbesserungen, wenn die Nullmessung abgeschlossen ist und gezielte Prozessanpassungen greifen. Einmalige Maßnahmen reichen nicht, es braucht strukturelle Transformation.
Was bedeutet es, dass der NPS allein nichts sagt?
Der NPS zeigt eine Momentaufnahme der Kundenloyalität, aber nicht deren Ursache. Ohne zu wissen, welche Prozesse oder Verhaltensweisen den Wert beeinflussen, lässt sich nichts gezielt verbessern. Erst die Analyse hinter dem Wert macht ihn steuerbar und damit wirtschaftlich nutzbar.